Oktoberfest 2026: Münchner Polizei zieht Bilanz zum 191. Oktoberfest

Die Münchner Polizei meldet für das 191. Oktoberfest 1.851 Einsätze, 845 angezeigte Delikte und kein Tötungsdelikt, verzeichnet aber mehr Drogendelikte und mehr Verkehrsunfälle als im Vorjahr.
Die Münchner Polizei hat am Sonntag, 04.10.2026, ihre Abschlussbilanz zum Polizeieinsatz beim 191. Oktoberfest vorgelegt. Zur Tradition gehöre der Wunsch „Auf eine friedliche Wiesn!“, den der amtierende Oberbürgermeister beim Wiesn-Anstich ausspricht. Nach Darstellung der Polizei ist dieser Wunsch in diesem Jahr in Erfüllung gegangen.
Alle genannten Zahlen haben den Stand 04.10.2026, 05:00 Uhr. In Klammern stehen, soweit angegeben, die Vergleichswerte aus den Vorjahren.
Friedliches Miteinander trotz geopolitischer Krisen
Nach Angaben der Münchner Polizei zeigte das 191. Oktoberfest trotz der vielfältigen geopolitischen Krisen, die teilweise seit Jahren andauern, dass ein friedliches und vor allem stimmungsvolles Miteinander weiterhin möglich ist. Die Wiesn verbinde die Menschen aus der Welt.
Dazu trugen laut Polizei die 600 Polizeibeamtinnen und -beamten im Einsatz auf dem Festgelände bei. Hinzu kamen die vielen Einsatzkräfte im Außenbereich und die Taschendiebfahnder aus dem europäischen Ausland und aus verschiedenen deutschen Bundesländern. Auch die italienischen Kolleginnen und Kollegen, die die Münchner Polizei seit vielen Jahren unterstützen, waren im Einsatz. Sie alle sorgten dafür, dass es weiterhin möglich sei, derartige Veranstaltungen ohne Sorge zu besuchen.

Konzept gegen Überfüllung: Eingänge geschlossen, Besucherströme umgeleitet
Positiv zeigte sich laut Polizei zudem ein gemeinsam von allen Verantwortlichen erarbeitetes Konzept. Es ermöglichte, frühzeitig auf eine drohende Überfüllung zu reagieren und diese rechtzeitig abzuwenden.
Am Samstag, 26.09.2026, und am Samstag, 03.10.2026, wurden unter anderem zeitweise mehrere Eingänge zum Festgelände geschlossen, Besucherströme umgeleitet und S-Bahn-Haltestellen nicht mehr angefahren. Die Maßnahmen aller Verantwortlichen wirkten laut Polizei. Trotz der hohen Besucherzahl an diesen Tagen sei die Wiesn ohne Zwischenfälle verlaufen.
Dank der Polizei an Behörden, Rettungsdienst und Partner
Die Münchner Polizei hob die hervorragende Zusammenarbeit mit den Referaten der Landeshauptstadt München, dem Rettungsdienstunternehmen Aicher, der Berufsfeuerwehr München und der Bundespolizeidirektion München hervor. Ebenfalls genannt wurden der Veranstalter und die von ihm beauftragten Sicherheitsdienste. Dieser Schulterschluss sorge jährlich für einen reibungslosen Ablauf.
Auch die Kooperation mit den Verantwortlichen der „Sicheren Wiesn“, den Betreibern der großen und kleinen Festzelte, der MVG sowie der Firma Ströer trug nach Angaben der Polizei zu mehr Sicherheit auf dem Festgelände bei. Dabei ging es um die Vermittlung von Präventionsbotschaften der Polizei.
1.851 Einsätze, 56 Videokameras und Bodycams
In diesem Jahr rückten die Beamtinnen und Beamten zu 1.851 Einsätzen aus (2025: 1.598). Das entspricht einer Steigerung von 15 Prozent. Daran sei erkennbar, dass ein großes Bewusstsein dafür herrsche, dass erfolgreiche Polizeiarbeit maßgeblich von Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und Zivilcourage aller Bürgerinnen und Bürger abhängt.
Das gelte nicht nur für diejenigen, die den Polizeinotruf 110 verständigen, wenn andere in Gefahr sind oder Opfer von Straftaten werden. Es gelte auch für jene, die sich anschließend als Zeugen zur Verfügung stellen oder sogar Videos der Vorfälle übermitteln und damit helfen, dass der Rechtsstaat funktioniert.
Die hohe Streifendichte und Präsenz ermöglichte es der Polizei nach eigenen Angaben, ansprechbar und bei Bedarf schnell vor Ort zu sein. Die Dienste beinhalteten freundliche Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt, jede Menge Bilder und viele Auskünfte. Polizeiliches Einschreiten blieb bei der hohen Anzahl an Besuchern zwar nicht aus. Der Polizeieinsatz sei jedoch von viel Verständnis geprägt gewesen, vor allem für die Beeinträchtigungen durch die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen.
Eine wirkungsvolle Unterstützung brachte wieder die moderne Videotechnik auf dem Festgelände. Die 56 Videokameras werden von speziell beschulten Polizeibeamten bedient. Nach eingehenden Notrufen erlaubten sie eine unmittelbare Lagebewertung und je nach Situation eine angemessene Reaktion. In 228 Fällen konnte die Videotechnik zur Unterstützung der Einsatzkräfte genutzt werden. Davon wurden 25 Einsätze durch die eigene Wahrnehmung der Videobeobachter initiiert.
Erneut bewährt haben sich außerdem die von den Einsatzgruppen mitgeführten Bodycams. Sie kamen in zahlreichen Fällen zum Einsatz, sowohl deeskalierend als auch zur Dokumentation von Straftaten.
Gesamtzahlen: 845 Delikte und ein Plus von rund 8 Prozent
Am 16. und damit letzten Wiesntag zog die Münchner Polizei Bilanz. Die Anzahl der angezeigten Straftaten und Ordnungswidrigkeiten ist mit 845 Delikten um etwa 8 Prozent gestiegen (2025: 784; 2024: 706).
Dies resultiert vor allem aus der gestiegenen Anzahl an Straftaten im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelgesetz. Da das 191. Oktoberfest nach Angaben der Polizei auch deutlich mehr Besucherinnen und Besucher als im Vorjahr hatte, seien die Zahlen auch in diesem Kontext zu setzen.
Kapitaldelikte: Kein Tötungsdelikt, fünf Raubdelikte
Erfreulicherweise musste die Polizei in diesem Jahr kein Tötungsdelikt verzeichnen. Es kam zu 5 Raubdelikten (2025: 1; 2024: 0). Die Ermittlungen zu diesen Fällen laufen noch.
Sexualdelikte: Anstieg auf 80 Delikte
Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gab es einen Anstieg auf 80 Delikte (2025: 72; 2024: 56). In den überwiegenden Fällen handelte es sich um sexuelle Belästigungen (52; 2025: 47). Vereinzelt ging es um die Erstellung von Bildaufnahmen des Intimbereichs, das sogenannte Upskirting (8; 2025: 12). 5 Fälle erfüllten den Tatbestand der Vergewaltigung (2025: 5; 2024: 2).
Bereits im Vorfeld des Oktoberfests legte die Münchner Polizei einen besonderen Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Sexualdelikten. Über verschiedene Präventionsmaßnahmen, darunter Social-Media-Posts, Plakate sowie Anzeigen im MVG-Bereich, wurde insbesondere eine klare Botschaft an potenzielle Täter gerichtet: Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung werden nicht geduldet und konsequent durch die Polizei verfolgt.
Gewaltkriminalität: 237 Anzeigen wegen Körperverletzung
Mit 237 Anzeigen wegen Körperverletzung liegt die Zahl auf Vorjahresniveau (2025: 236). In Bezug auf die gestiegenen Besucherzahlen wertet die Polizei das positiv.
Darin enthalten sind auch gefährliche Körperverletzungen, die anteilig gestiegen sind (95; 2025: 75). In 25 Fällen wurden Maßkrüge als Tatmittel verwendet (2025: 24). Bei einer gefährlichen Körperverletzung (§ 224 StGB) handelt es sich um eine Körperverletzung, bei der zum Beispiel eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug verwendet wird oder mehrere Beteiligte gemeinschaftlich zusammenwirken.
Widerstand gegen Polizeibeamte geht zurück
Die Anzahl der Widerstandshandlungen und tätlichen Angriffe gegen Polizeibeamtinnen und -beamte ist gesunken (2026: 19; 2025: 25). Dabei wurden 10 Kolleginnen und Kollegen verletzt, was einen deutlichen Rückgang zum Vorjahr bedeutet (2025: 17).
Diebstahl: Weniger Anzeigen, aber mehr Taschendiebstähle
Im Bereich der Eigentumsdelikte verzeichnet die Polizei eine sinkende Anzahl. Nur 159-mal mussten Anzeigen wegen eines Diebstahls aufgenommen werden (2025: 170). In diesen Anzeigen sind auch die Taschendiebstähle enthalten. Davon waren 78 auf dem Festgelände festzustellen (2025: 55), was erneut eine Steigerung bedeutet.
Dabei wurden 10 Tatverdächtige festgenommen, denen meist mehrere registrierte Taten zugeordnet werden können. In 5 Fällen wird wegen des schweren Taschendiebstahls ermittelt.
Von einem schweren Taschendiebstahl ist laut Polizei auszugehen, wenn unter anderem der Täter die „hilflose Lage“ seines Opfers ausnutzt, zum Beispiel schlafende Personen aufgrund ihrer Alkoholisierung, oder wenn er gezielt nach Diebstahlsgelegenheiten sucht. Hier wird zunächst von einer gewerbsmäßigen Begehung ausgegangen.
Die Münchner Polizei bedankte sich in diesem Zusammenhang nochmals für die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen aus dem europäischen Ausland und den anderen Bundesländern. Diese unterstützen die Polizei jährlich im Rahmen des Oktoberfests und nahmen auch deliktsübergreifend Tatverdächtige auf dem Festgelände fest.
Rauschgiftkriminalität: Mehr Verstöße mit Kokain, drei Cannabis-Anzeigen
In 207 Fällen wurden Anzeigen nach dem Betäubungsmittelgesetz erstellt (2025: 148). In den überwiegenden Fällen handelte es sich um Verstöße mit Kokain. Dabei stieg die Anzahl der festgestellten Verstöße um über 30 Prozent.
Aufgrund der geänderten Gesetzeslage fällt Cannabis nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Einschlägig sind hier das Konsumcannabisgesetz und das Gesundheitsschutzgesetz. Letztgenanntes untersagt den Konsum von Cannabisprodukten auf Volksfesten. Wegen Verstößen mit Cannabis wurden demnach 3 Anzeigen erstattet.
Zugangskontrollen: Acht Personen mit Messer festgestellt
Bei den Zugangskontrollen des umzäunten Festgeländes gab es keine erwähnenswerten Beeinträchtigungen. In 8 Fällen wurden Personen mit einem Messer festgestellt. Diese Personen wurden angezeigt, ihre Messer wurden sichergestellt.
Flugbeschränkungsgebiet: 146 Verstöße, überwiegend durch Drohnen
Für die Dauer des Oktoberfests wurde ein Flugbeschränkungsgebiet mit einem Radius von 5,6 Kilometern und einer Höhe von 10 Kilometern festgelegt. Die Polizei stellte 146 Verstöße fest (2025: 11). Dabei handelte es sich um 127 unerlaubte Flüge mit Drohnen und um 15 bemannte Luftfahrzeuge, zudem um 4 sonstige Fälle.
Davon flogen 4 über der Theresienwiese und 26 im unmittelbaren Umfeld.
Polizeiliche Maßnahmen: 419 vorläufige Festnahmen und 707.007 Euro Sicherheitsleistungen
In 600 Fällen wurden freiheitsentziehende Maßnahmen durchgeführt (2025: 529). In 181 Fällen (2025: 163) handelte es sich um Gewahrsamnahmen zur Verhinderung oder Unterbindung von Straftaten durch meist stark alkoholisierte Personen.
Bereits im Vorfeld erließ das Kreisverwaltungsreferat auf Antrag des Polizeipräsidiums München 36 Betretungsverbote. Dazu kamen 30 weitere Personen, denen aufgrund ihres Verhaltens ein Platzverweis für das Festgelände ausgesprochen wurde. Das Kreisverwaltungsreferat ergänzte diesen mit einem Aufenthaltsverbot für das Oktoberfestgelände. 419 Personen wurden vorläufig festgenommen (2025: 366).
Bei Personen, die eine Straftat begehen und keinen festen Wohnsitz in Deutschland haben, besteht laut Polizei die Gefahr, dass sie sich dem Strafverfahren entziehen könnten. Zur Sicherung des Strafverfahrens und zur Abwendung einer Untersuchungshaft wird deshalb in bestimmten Fällen eine sogenannte Sicherheitsleistung einbehalten. In diesem Jahr wurden 707.007 Euro an Sicherheitsleistungen einbehalten (2025: 357.000 Euro).
Verkehr: Weniger Alkoholfahrten, mehr Fahrten unter Drogeneinfluss
Die Anzahl der Gesamtunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Positiv hebt die Polizei hervor, dass die Gesamtanzahl der Fahrten unter Alkoholeinfluss um mehr als 10 Prozent gesunken ist. Mit Sorge beobachtete sie dagegen eine steigende Anzahl von Fahrten unter Drogeneinfluss (plus 24 Prozent).
Während der 16 Tage des 191. Oktoberfests kam es zu einer Vielzahl an stationären Kontrollen in und um München. Dabei wurden 382 Fahrten unter Alkoholeinfluss festgestellt (2025: 438). 207 Fälle waren Straftaten (2025: 253) und 175 Fälle Verkehrsordnungswidrigkeiten (2025: 185).
Mit 232 Fahrten unter Alkoholeinfluss (2025: 252) entfällt weiterhin ein großer Anteil dieser Verkehrsdelikte auf E-Scooter. Das entspricht einem Rückgang von etwa 8 Prozent. Das Fahren eines E-Scooters unter dem Einfluss von Alkohol, Betäubungsmitteln oder anderen berauschenden Mitteln unterliegt den gleichen Regularien wie bei allen anderen Kraftfahrzeugen.
Bei den Fahrten unter Einfluss von Betäubungsmitteln verzeichnete die Polizei dieses Jahr 139 Fälle (2025: 112). 6 Fälle waren Straftaten (2025: 14) und 133 Fälle Verkehrsordnungswidrigkeiten (2025: 98). Nur ein geringer Anteil dieser Verkehrsdelikte entfiel auf E-Scooter (15; 2025: 0).
Nach Trunkenheitsfahrten, die den Straftatbestand nach § 316 StGB erfüllten, oder nach Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss im Sinne des § 315c StGB wurden 80 Führerscheine sichergestellt (2025: 291). Positiv ist laut Polizei, dass die Einsatzkräfte 92 Trunkenheitsfahrten verhüten konnten (2025: 53). Davon entfielen 69 Fälle auf E-Scooter (2025: 31).
Verkehrsunfälle: 2.087 Unfälle, 27 Schwerverletzte, keine Verkehrstoten
Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München wurden in diesem Jahr 2.087 Verkehrsunfälle verzeichnet (2025: 1.923). Dabei wurden 27 Personen schwer (2025: 16) und 347 Personen leicht verletzt (2025: 293). Beides bedeutet einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Positiv ist laut Polizei, dass es keinen Verkehrstoten gab.
31 Unfälle ereigneten sich unter Alkoholeinfluss (2025: 23), 16 davon mit Beteiligung von E-Scootern (2025: 12). Trotz zahlreicher Maßnahmen und der Präventionsarbeit bedeutet dies einen Anstieg um mehr als 30 Prozent.
Abschleppungen: Über 20 Prozent weniger Fahrzeuge
898 Fahrzeuge mussten insgesamt abgeschleppt werden (2025: 1.187). Das bedeutet einen Rückgang um mehr als 20 Prozent. Dies zeige, dass die Maßnahmen und die Prävention greifen, was vor allem in Anbetracht der Anwohnerbelastung positiv sei.
Ein besonderes Augenmerk lag erneut auf der Parksituation in den Anwohnerlizenzgebieten im Umfeld der Theresienwiese. Wer sein Fahrzeug ohne Anwohnerparkerlaubnis in diesen Bereichen verbotswidrig parkte, musste damit rechnen, dass es abgeschleppt wird. Das kann zuzüglich Buß- oder Verwarnungsgeld mehrere hundert Euro kosten.
Zuständig: Polizeipräsidium München



