Hilfe für Helfer: Nachsorgeteam PSNV-E Feuerwehr im Landkreis Günzburg seit zehn Jahren aktiv
Wie unterstützt ein zwölfköpfiges Ehrenamtsteam Feuerwehrleute, wenn belastende Einsätze auch nach Feierabend nachwirken?
Mehr als 4.500 Frauen und Männer engagieren sich im Landkreis Günzburg ehrenamtlich in den Freiwilligen Feuerwehren. Ergänzt werden sie von sechs Werkfeuerwehren, einer Betriebsfeuerwehr und sechs örtlichen Löschgruppen. Sie sind zur Stelle, wenn Menschen in Not geraten, leisten Hilfe unter schwierigsten Bedingungen und sind dabei immer wieder mit Situationen konfrontiert, die auch sie selbst belasten können. Damit die Einsatzkräfte mit solchen Erfahrungen nicht allein bleiben, gibt es im Landkreis Günzburg seit zehn Jahren das Nachsorgeteam PSNV-E Feuerwehr.
Das zwölfköpfige, ehrenamtlich arbeitende Team wurde vor zehn Jahren aus aktiven Mitgliedern der Feuerwehren und der Kreisbrandinspektion gegründet. Das Besondere: Die Mitglieder kennen den Feuerwehrdienst aus eigener Erfahrung. Sie sind selbst aktive Feuerwehrfrauen und -männer oder waren im aktiven Dienst.
„Dieser Stallgeruch ist für unsere Arbeit besonders wertvoll“, sagt Kreisbrandmeisterin Ellen Geißler, die das Nachsorgeteam heute organisatorisch leitet. „Wir sprechen die gleiche Sprache und wissen, was es bedeutet, nach einem schwierigen Einsatz wieder nach Hause zu gehen.“
Besonders belastend können Einsätze sein, bei denen Menschen schwer verletzt werden oder sterben, Kinder betroffen sind, Einsatzkräfte selbst in Lebensgefahr geraten oder trotz aller Bemühungen jede Hilfe zu spät kommt. Die Reaktionen darauf zeigen sich nicht immer unmittelbar nach dem Einsatz. Bilder, Geräusche oder Gedanken können auch später wieder auftauchen.
Das Nachsorgeteam unterstützt die Feuerwehrleute im Landkreis dabei, solche Erlebnisse einzuordnen und zu verarbeiten. Zum Angebot gehören Präventionsveranstaltungen, die Begleitung von Führungskräften, die Einschätzung von Belastungen bereits während des Einsatzes sowie Einzel- und Gruppengespräche. Bei Bedarf werden weiterführende professionelle Hilfen vermittelt. Seit seiner Gründung war das Team bereits in mehr als 120 Einsätzen und Präventionsangeboten gefordert.
Wie die Unterstützung erfolgt, hängt von der jeweiligen Situation ab. „Entweder meldet sich ein Kommandant oder eine Einsatzkraft direkt bei uns“, sagt Geißler. „Bei besonders schweren Einsatzlagen werden wir häufig bereits während des Einsatzes oder beim Einsatzabschluss hinzugezogen und über die Integrierte Leitstelle Donau-Iller alarmiert.“
Die Einstellung gegenüber psychosozialer Unterstützung hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert. „Früher hieß es oft: ‚Da musst du durch.‘ Heute wissen wir, dass psychischer Arbeitsschutz genauso wichtig ist wie die Brandschutzkleidung“, sagt Geißler. „Es ist kein Zeichen von Schwäche, über das Erlebte zu reden, sondern von Professionalität.“
Die Mitglieder des Nachsorgeteams verfügen neben ihrer Einsatzerfahrung über eine spezielle Ausbildung in der Psychosozialen Notfallversorgung. Unterstützt wird das Team von psychosozialen Fachkräften wie Psychologen und Sozialpädagogen. Fortbildungen, Supervision und der fachliche Austausch mit anderen PSNV-Strukturen gehören ebenfalls zur Arbeit.
Wie wichtig die Unterstützung ist, zeigt auch das Einsatzgeschehen im Landkreis: Allein im August 2026 leisteten die Freiwilligen Feuerwehren 233 Einsätze, darunter 73 Brandeinsätze und 124 technische Hilfsleistungen. Im Juli waren es 314. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die sich ehrenamtlich für die Sicherheit ihrer Mitmenschen einsetzen.
Für diese Feuerwehrleute übernehmen die Kommunen und der Landkreis Günzburg gemeinsam Verantwortung. Bereits vor vielen Jahren schlossen die Kommunen gemeinsam mit dem Landkreis eine Zweckvereinbarung zur Finanzierung und zum Betrieb der Psychosozialen Notfallversorgung. Damit ist die Unterstützung der Einsatzkräfte dauerhaft im Landkreis verankert.
Das Nachsorgeteam PSNV-E Feuerwehr steht den Feuerwehren im Landkreis Günzburg rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, zur Verfügung. „Niemand muss ein solches Ehrenamt allein verarbeiten“, sagt Ellen Geißler. „Wir wollen dafür sorgen, dass unsere Feuerwehrleute nach schwierigen Einsätzen nicht mit ihren Erlebnissen allein bleiben.“
Auf dem Bild zu sehen: Elmar Müller (von links), Ellen Geißler, Susanne Miller, Franz Durm, Carina Glaß, Nadja Kasper, Eugen Huber, Rebecca Feldengut, Ivonne Fendt, Sonja Kriener und Ernst Kriener gehören dem Nachsorgeteam an. Auf dem Foto fehlen Johanna Janz und Klaus Kuen.



