Feuerwehr Günzburg: Rückblick auf das Feuerwehrjahr 2019

Wegen dem COVID-19-Virus konnte eine Dienst- und Mitgliederversammlung bisher nicht durchgeführt werden, doch die Öffentlichkeit soll dennoch erfahren, was sich im Feuerwehrjahr 2019 bei der Freiwilligen Feuerwehr Günzburg ereignete und welche Zahlen und Fakten es gibt.
Das Jahr 2019 war rückblickend geprägt vom Neubau der neuen Feuerwache am bisherigen Standort. „Anstrengend für alle Beteiligten“ bezeichnete der 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Günzburg und Stadtbrandinspektor Christian Eisele das vergangene Jahr, was den Neubau während des laufenden Betriebes angeht. Bei einigen Einschränkungen durch Lärm, Staub und stark eingeschränktem Platz den Aufgaben gerecht zu werden und dabei die Sicherheit der Bürger jederzeit zu 100% zu gewährleisten, war nicht einfach.
Die Einsatzzahlen sind im Vergleich etwas zurück gegangen von 463 auf 424 und bewegen sich damit wieder auf dem Niveau von 2017. Kaum bemerkbar machte sich dies bei den geleisteten Einsatzstunden, die mit 6.670 gerade mal um 14 Stunden geringer als 2018 ausfielen.
Deutlicher Anstieg bei der Zahl der Brandeinsätze
Was auffällt ist der Anstieg der Brandeinsätze. Diese haben sich im Vergleich mit 115 im Jahr 2019 gegenüber 63 im Jahr 2018 fast verdoppelt, wohin gegen die Einsätze mit Technischer Hilfeleistung mit 217 in 2019 um rund 100 von 313 in 2018 zurück gingen (83 in 2017). Der Anstieg bei den Brandeinsätzen kann an keinen besonderen Ereignissen fest gemacht werden.
Fast 5.000 Stunden für den Übungsdienst geleistet
Zu den geleisteten Einsatzstunden wurden noch 4.977 Stunden für den Übungsdienst geleistet. Diese teilten sich auf in 2.005 Stunden für Lehrgänge und Fortbildungen, 2.876 Stunden für Übungen und 96 Stunden bei 32 Durchgängen in der Atemschutzübungsstrecke.
Nicht erfasst wurde bei den insgesamt 11.647 Stunden für den Einsatz- und Übungsdienst die Zeit für die Datenerfassung, die Kassenführung und arbeiten des Schriftführers, ebenso wenig wie die Stunden, welche die Kommandanten und die Führungskräfte in ihrer Freizeit aufbrachten. Ganz zu schweigen von den Stunden, die mit dem Neubau der Feuerwache zusammenhängen.
Einsätze in 2019
Die Feuerwehrkräfte konnten in ihren 424 Einsätzen – eine für die Günzburger Feuerwehr normale Anzahl an Einsätzen – 47 Personen retten. Diese hohe Zahl an geretteten ist mehreren Verkehrsunfällen geschuldet, bei denen eine Vielzahl von Verletzten zu beklagen waren. 7 Personen konnte trotz der schnellen und professionellen Hilfe der Floriansjünger nicht mehr geholfen werden, bei ihnen war der Tod schneller als jede Rettung. Gerade bei diesen Einsätzen ist die psychische Belastung hoch.
Auszug der geleisteten Einsätze
Am 20.03.2019 ereignete sich in der Siemensstraße in Günzburg ein Verkehrsunfall mit einem beteiligten Tesla, welche in Brand geriet und die Einsatzkräfte vor Probleme stellte.
Ein Fahrschulauto prallte auf der Autobahn 8 in Fahrtrichtung Leipheim am 20.04.2019 gegen den Dieseltank eines Lastwagens. Der Kraftstoff lief über alle Fahrspuren. (wir berichteten)
Im Neubaugebiet in Nornheim stürzte ein Baukran am 29.04.2019 um, wobei glücklicherweise eine Person nur leicht verletzt wurden. (zum Bericht)
Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich dann am Nachmittag des 18.07.2020. Ein Pkw hatte sich mehrmals überschlagen, wobei sich drei Personen schwere Verletzungen zuzogen. Ein Rettungshubschrauber war ebenfalls im Einsatz.
Für den Fahrer eines Motorrollers hatte ein Verkehrsunfall mit einem Pkw in der Weißenhorner Straße, am 04.07.2020 in Günzburg, tödliche Folgen. Trotz sofortiger Reanimation konnte sein Leben nicht gerettet werden. (wir berichteten)
Ein Blitz schlug am 07.07.2019 in den Nachtstunden in den Dachstuhl eines Hauses in Günzburg. Nur durch massiven Schaumeinsatz im Innen- und Außenangriff konnte ein Vollbrand des Dachstuhles vermieden werden. (wir berichteten)
Am 24.08.2019 wurde die Günzburger Feuerwehr zu einer Reiterin gerufen, die unter einem Pferd eingeklemmt war, welches beim Ausritt zusammenbrach und starb. Die Frau hatte sich dabei lebensgefährliche Verletzungen zugezogen und wurde mit Hilfe von Hebekissen und Feuerwehrleinen befreit und mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Nach monatelangem Kampf erlag sie dann ihren schweren Verletzungen. (zum Bericht)
In einem Dachstuhl eines Wohnhauses kam es am 16.09.2019 zu einem Zimmerbrand wegen eines technischen Defekts. Aufgrund der Hanglage mussten die Löscharbeiten ohne Drehleiter stattfinden. Es war hoher Sachschaden zu beklagen. (wir berichteten)
Ein SUV war am 07.10.2019 mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn 8 zwischen Burgau und Zusmarshausen unterwegs. Er kam von der Fahrbahn ab und hatte sich mehrfach überschlagen, ehe er 300m weiter auf den Rädern totalbeschädigt zum Stehen kam. Der Fahrzeuglenker wurde dabei schwer verletzt. (wir berichteten)
Auf der Bundesstraße 16, an der Kreuzung Deffingen/Denzingen, prallten am 03.11.2019 zwei Fahrzeuge zusammen. Beide Fahrzeuglenker mussten mit hydraulischen Rettungsgeräten von den Feuerwehrkräften gerettet werden. (zum Bericht)
Mehrere Fahrzeuge schob am 12.12.2019 ein Omnibus in der Sedanstraße in Günzburg ineinander, wobei mehrere Verletzte zu beklagen waren. Die Straße wurde gesperrt und der Rettungsdienst unterstützt. (zum Bericht)
Übungen, Aus- und Fortbildungen
Im Jahr 2019 wurden insgesamt 40 Übungen abgehalten, die sich in 10 Übungen der gesamten Wehr, 8 Übungen der einzelnen Züge und 22 Sonderübungen aufteilten. Bereits seit drei Jahren finden mindestens zwei Übungen pro Woche in kleineren Gruppen statt, um den Lerneffekt zu erhöhen. Übungen der gesamten Wehr sind aber für die reibungslose Zusammenarbeit weiterhin unverzichtbar.
So wurde von Januar bis März der 4. Modulare Truppausbildung (MTA) – Lehrgang im Stadtgebiet durchgeführt. Teilnehmer wurden in den Themen Brandklassen, Löschmittel, die Gruppe im Brand- und THL-Einsatz, Tragbare Leitern, Erste Hilfe, Funktion und Bedienung von Hohlstrahlrohren usw. unterrichtet. (Zum Bericht)
Eine größere Übung fand dann am 17.03.2019 im Legoland Deutschland Resort gemeinsam mit den Höhenrettern aus Augsburg und München, sowie der Polizeihubschrauberstaffel statt. Dabei wurden 4 Übungsszenarien abgearbeitet. Unter anderem musste mit dem Polizeihubschrauber mittels der Winde eine Person aus dem Wald, aus dem Klettergarten und vom Aussichtsturm gerettet werden. Weiterhin konnten Kräfte unserer Wehr sowie der Flugplatzfeuerwehr aus Laupheim das Einweisen des Hubschraubers üben.
Im Juni 2019 konnten weit über 60 Atemschutzgeräteträger aus dem gesamten Stadtgebiet in einem gasbefeuertem Brandübungscontainer der Netze BW, der in Günzburg abgestellt war, in der Taktik beim Innenangriff, dem Retten verunglückter Personen und dem Bergen von Gasflaschen, realitätsnah geschult werden.
Auch ein Sicherheitstraining für Lkw und eine Katastrophenschutzübung bei der Firma Bucher in Waldstetten wurde durchgeführt. (zum Bericht)
Am 23.05.2019 legte zudem die Feuerwehr Günzburg die Inspektion mit der Note „sehr gut“ ab. (zum Bericht)
Es wurden außerdem Fortbildungen für Maschinisten, Handhabung des Gerätesatzes Absturzsicherung, Bootsführer, Ölwehrgeräte, Motorsägenführer und Drehleitermaschinisten abgehalten.
Außerdem legten 54 Dienstleistende der Günzburger Feuerwehr bei Leistungsprüfungen in THL (4 Gruppen) sowie der Gruppe im Löscheinsatz (2 Gruppen) die entsprechenden Abzeichen ab. Ebenfalls wurden Fortbildungen auf Kreis- und Bezirksebene besucht. Beeindruckend: Insgesamt nahmen 137 Personen an 42 verschiedenen Lehrgängen teil. Dies waren unter anderem: Aufbaulehrgang für Atemschutzgerätewarte; Atemschutzgeräteträger; Motorsägen-Lehrgang; Anwenderlehrgang Gerätesatz Absturzsicherung; Lehrgang Träger von Chemikalienschutzanzügen; Bootsführer; Gruppenführer; verschiedene Wiederholungslehrgänge der Gerätewarte bei den Firmen Dräger und Interspiro; Ladekranführer; Lehrgang Bedienung Wechselladerfahrzeug (WLF); Verhaltenstraining im Brandhaus und verschiedene Technische Hilfeleistungen (THL) Schulungen.
Auch die hauptamtlichen Gerätewarte hatten 2019 einiges geleistet. Nur um einige Zahlen zu nennen: 471 Schläuche geprüft, gewaschen, getrocknet und gerollt; 336 Pressluftatmer und 722 Lungenautomaten geprüft und gereinigt; 614 elektrische Geräte geprüft und ganze 1.477.000 Liter Luftvolumen in 830 Atemluftflaschen gefüllt.
Im vergangenen Jahr mussten unter anderem 24 Atemluftflaschen ausgetauscht werden, da diese bereit 35 Jahre alt waren. Nach und nach werden auch die Atemschutzgeräte ausgetauscht, die teilweise aus dem Jahr 1990 stammen.
Blick in die Zukunft mit Sorge
Eisele sieht als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre die Sicherstellung der Tagesalarmsicherheit. Einige Wehren im Landkreis schaffen es bereits heute nicht mehr, auf eine Anzahl von 6 Kräften tagsüber zu kommen. Damit ist die Tagesalarmsicherheit nicht mehr gegeben. Diese Situation wird sich in den kommen Jahren weiter verschärfen. Bei der Günzburger Feuerwehr finden sich zum Glück noch ausreichend aktive Mitglieder, die auch Führungspositionen übernehmen wollen und bereit sind, das Konstrukt der Ehrenamtlichkeit mitzutragen. Künftig werden die Feuerwehren noch viel mehr zusammenarbeiten müssen, als dies bisher der Fall ist. Zudem sorgt der demographische Wandel dafür, dass die Anzahl möglicher neuer Mitglieder schwindet. Auch die Forderung nach einem Ausbildungszentrum im Landkreis wird lauter, da die Feuerwehrschulen ihre Grenzen erreicht haben, das wird sich auch die nächsten Jahre nicht ändern, glaubt Eisele. Er ist stolz und zieht den Hut vor den Ehrenamtlichen für die Bereitschaft diese enorme Stundenzahl, welche in der Freizeit, neben Beruf und den Hobbys geleistet wird.
Dankesworte für gute Zusammenarbeit
Dankende Worte findet der 1. Kommandant Christian Eisele der Freiwilligen Feuerwehr Günzburg und Stadtbrandmeister für Oberbürgermeister Gerhard Jauernig für sein offenes Ohr und die bereitgestellten Mittel. Dem Kreisbrandrat Stefan Müller, sowie dem Kreistag, dankt er für die bereitgestellten Mittel für Neu- und Ersatzbeschaffungen.
Die Jugendarbeit gefördert haben Jugendwart Manuel Füssl, sein Stellvertreter Markus Mayer, sowie die Kameraden Georg Kohler, Marcel Mayer, Christoph Stammer und Thomas Snukat. Sie haben ein interessantes, abwechslungsreiches und spannendes Übungs- und Freizeitprogramm im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt, um die Jugendlichen zu begeistern und dabei viele Stunden ihrer Freizeit investiert.
Dank spricht Eisele auch der Kreisbrandinspektion aus, insbesondere dem Kreisbrandinspektor Albert Müller und den beiden Kreisbrandmeistern Ralf Maier und Ewald Beuter, sowie dem neuen Kreisbrandrat Stefan Müller für die gute kameradschaftliche Zusammenarbeit. Müller wünscht er viel Kraft für die sicherlich nicht immer einfache ehrenamtliche Tätigkeit. Ebenso lobt er die gute Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz – Kreisverband Günzburg, dem Technischen Hilfswerk – Ortsverband Günzburg und der Autobahnpolizeistation Günzburg. Von einem harmonischen Miteinander spricht Eisele, wenn er die Zusammenarbeit mit den 7 Stadtteilfeuerwehren beschreibt. Vorbildlich sei auch das Zusammenwirken mit den Feuerwehren Leipheim, Ichenhausen und Krumbach.
Weiter dankte er seinem Stellvertreter Stadtbrandmeister und 2. Kommandant Achim Senser, den Gerätewarten, den Dienstgraden, und den gesamten aktiven Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern für ihren Dienst für eine funktionierende Freiwillige Feuerwehr. Die Günzburger Feuerwehr ist eine schlagkräftige Truppe für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Günzburg und bei Bedarf darüber hinaus.






























































































