Drei Festnahmen nach mehreren Telefonbetrugsfällen in Oberfranken
Wie kam die Polizei den Tätern auf die Spur, nachdem Betrüger am Donnerstag in vier Orten mit unterschiedlichen Maschen ältere Menschen ins Visier genommen hatten?
Gleich mehrfach versuchten Betrüger am vergangenen Donnerstag in Oberfranken, mit unterschiedlichen Maschen an das Geld und die Wertgegenstände älterer Menschen zu gelangen. In einem Fall waren die Täter zunächst erfolgreich. Durch das aufmerksame Verhalten von Angehörigen und das schnelle Eingreifen der Polizei konnten weitere Vermögensschäden verhindert und insgesamt drei Tatverdächtige festgenommen werden. Gegen alle drei ergingen inzwischen Untersuchungshaftbefehle.
Am Donnerstagvormittag erhielt eine 74-jährige Frau aus einem Rödentaler Ortsteil einen Anruf von einem vermeintlichen Polizeibeamten. Dieser behauptete, dass in der Nähe Einbrecher festgenommen worden seien. Bei diesen habe die Polizei einen Zettel gefunden, weshalb nun auch ihr Eigentum in Gefahr sei.
Gegen 12.30 Uhr erschien dann eine Frau bei der 74-Jährigen und gab sich als Polizeibeamtin aus. Unter dem Vorwand, ihre Wertgegenstände müssten fotografiert werden, nahm sie einzelne an sich und verschwand anschließend mit der Beute im Wert eines vierstelligen Eurobetrages. Als die vermeintliche Kriminalbeamtin nicht zurückkehrte, wurde die Seniorin misstrauisch und verständigte etwa eine Stunde später die Polizei.
Am Nachmittag versuchten Betrüger auch eine 87-jährige Frau in Dörfles-Esbach um ihr Vermögen zu bringen. Ein angeblicher Bankmitarbeiter berichtete ihr telefonisch von verdächtigen Kontobewegungen. Eine Überweisung habe gerade noch verhindert werden können. Zur weiteren Überprüfung sei ein Detektiv eingeschaltet worden. Im Verlauf des Gesprächs kündigten die Täter den Besuch eines Polizeibeamten an.
Während die Seniorin noch telefonierte, kam ein Angehöriger nach Hause. Er erkannte die Betrugsmasche und verständigte die Polizei. Daraufhin kontrollierte eine Streifenbesatzung in der Nähe des Wohnanwesens einen verdächtigen Pkw. Im Kofferraum entdeckten die Beamten die Wertgegenstände, die zuvor durch die 74-Jährige in Rödental übergeben worden waren. Die Polizisten nahmen die beiden Fahrzeuginsassen, eine 31-jährige Deutsche und einen 19-jährigen Deutschen, vorläufig fest. Zu einer Übergabe in Dörfles-Esbach war es nicht gekommen.
Auch in Lautertal versuchten Betrüger am Donnerstagnachmittag, eine 62-Jährige mit einem sogenannten Schockanruf um ihr Geld zu bringen. Gegen 14.30 Uhr erhielt die Frau aus dem Ortsteil Unterlauter einen Anruf. Die Täter behaupteten, eine Angehörige habe einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein Mensch ums Leben gekommen sei. Um eine Inhaftierung abzuwenden, müsse sie eine Kaution in fünfstelliger Höhe hinterlegen.
Die 62-Jährige durchschaute die Masche sofort, spielte jedoch mit und hielt das Telefonat aufrecht. Währenddessen verständigte ihr Ehemann die Polizei. Beamte der Kriminalpolizei waren bereits vor Ort, als ein verdächtiger Mann an dem Anwesen vorbeilief. Sie nahmen den 27-jährigen ukrainischen Staatsangehörigen vorläufig fest. Bei ihm fanden die Ermittler einen Fahrzeugschlüssel. Den dazugehörigen Pkw entdeckten sie in der Nähe. Nach der Festnahme beendeten die Täter das Telefonat mit der 62-Jährigen.
Das Fahrzeug war zuvor bereits einem Polizeibeamten aufgefallen, der sich in seiner Freizeit in Marktleugast aufhielt. Er hatte im Dienst befindliche Kollegen über die Beobachtung informiert.
Auch in Marktleugast war es am selben Tag zu einem versuchten Telefonbetrug gekommen. Gegen Mittag erhielt eine 83-jährige Frau den Anruf eines vermeintlichen Polizeibeamten. Wie im Fall in Lautertal behaupteten die Täter, eine Angehörige habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Sie forderten einen sechsstelligen Geldbetrag und erkundigten sich nach Wertgegenständen. Die Seniorin sollte Bargeld und Wertsachen in einem Stoffbeutel zur Abholung bereithalten.
Etwa 30 Minuten später erschien ein Mann an ihrem Anwesen. Zwischenzeitlich war jedoch der Ehemann der Seniorin nach Hause gekommen. Er erkannte den Betrugsversuch und forderte den Unbekannten auf, das Grundstück zu verlassen. Zu einer Übergabe kam es nicht.
Ob zwischen den Betrugsversuchen in Lautertal und Marktleugast ein Zusammenhang besteht, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Die drei Festgenommenen wurden am Freitag, den 23.10.2026, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Coburg einem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Kronach vorgeführt. Dieser erließ gegen alle drei Tatverdächtigen Untersuchungshaftbefehle. Sie befinden sich inzwischen in unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten.
Die Kriminalpolizei Coburg führt die weiteren Ermittlungen unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Coburg.



