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Gefälschte Sprachzertifikate: Großrazzia in NRW und München, mehrere Tatverdächtige in Haft

Nach Ermittlungen seit 2025 durchsuchten über 350 Einsatzkräfte mehr als 30 Objekte, und sieben Tatverdächtige wurden festgenommen.

Die Aschaffenburger Polizei und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ermitteln seit 2025 gegen eine größere Gruppierung im Zusammenhang mit der illegalen Erlangung von Sprachzertifikaten. Dafür wurde die Ermittlungskommission (EKO) „Kiosk“ gegründet. Wie das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg in einer gemeinsamen Presseerklärung vom 23.10.2026 mitteilen, wurden am Mittwoch über 30 Objekte durchsucht, überwiegend im Raum Nordrhein-Westfalen und München. Sechs Tatverdächtige wurden im Laufe des Tages festgenommen und Ermittlungsrichtern in Aschaffenburg sowie Nordrhein-Westfalen vorgeführt. Ein weiterer Tatverdächtiger wurde im Laufe des Donnerstags festgenommen und ebenfalls einem Ermittlungsrichter vorgeführt.

Die Aschaffenburger Polizei und die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg ermitteln gegen mehrere Personen wegen des Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern, der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte. Die Sprachzertifikate finden unter anderem bei Einbürgerungsverfahren Verwendung. Die Ermittlungen erstrecken sich auf Fälle im gesamten Bundesgebiet und auch in Österreich.

Zunächst richteten sich die Ermittlungen gegen die Nutzer der gefälschten Sprachzertifikate. In der Folge ergaben sich schrittweise Hinweise auf die Hersteller und die Vertreiber der Dokumente sowie auf die Rollenverteilung innerhalb der Tätergruppierung. Im engen Austausch mit zahlreichen beteiligten Behörden im Bundesgebiet und in Österreich wurden im Zuge der intensiven Ermittlungen strukturierte und arbeitsteilige Vorgehensweisen offengelegt.

Die Ermittlungen der EKO „Kiosk“ ergaben Hinweise auf eine mittlere zweistellige Anzahl tatverdächtiger Personen, die in verschiedenen Funktionen tätig sind. Die Tatverdächtigen sollen dritten Personen im dreistelligen Bereich illegale Sprachzertifikate verschafft und sich dadurch bereichert haben.

Zudem ließen sich Zusammenhänge zu weiteren Ermittlungsverfahren in ganz Deutschland und im europäischen Ausland herstellen. Die Polizeiinspektion Aschaffenburg steht insbesondere mit den Dienststellen aus Nordrhein-Westfalen, in deren Zuständigkeitsbereich ein Großteil der Ermittlungsstränge zusammenläuft, und mit Österreich im regelmäßigen Austausch.

Dem Sachstand nach legten die Beschuldigten im Rahmen ihrer Anträge auf Einbürgerung oder Erteilung einer Niederlassungserlaubnis bei den Ausländerbehörden zunächst hauptsächlich gänzlich gefälschte Sprachzertifikate vor. Aufgrund einer erhöhten Sensibilisierung der Ausländerbehörden konnten in der Folge jedoch vermehrt Feststellungen zum Einsatz sogenannter Stellvertreter gemacht werden. Dabei nimmt eine andere Person im Namen des Antragstellers, meist unter Vorlage eines gefälschten Identitätspapiers, an der Prüfung teil.

Am 2. Juli kam es im Bereich Nordrhein-Westfalen zu ersten Durchsuchungen und Festnahmen. Bei dem gemeinsamen Einsatz von Kräften der Aschaffenburger Polizei und der dortigen Polizeidienststellen wurden insgesamt elf Objekte durchsucht, mit Schwerpunkt im Raum Köln. Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter Datenträger, gefälschte Ausweisdokumente, gefälschte Sprachzertifikate sowie gefälschte Einbürgerungsurkunden.

Im Rahmen dieses Einsatzes wurden zwei Tatverdächtige, eine 24-jährige Afghanin und ein 35-jähriger Iraker, vorläufig festgenommen. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurden sie auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg am Folgetag am Amtsgericht vorgeführt. Eine Ermittlungsrichterin ordnete aufgrund des dringenden Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte die Untersuchungshaft an. Die Haftbefehle wurden gegen strenge Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Am 21. Oktober folgte eine großangelegte, gemeinsame Durchsuchungs- und Festnahmeaktion in Nordrhein-Westfalen und Bayern. In über 30 Objekten wurden Durchsuchungsbeschlüsse vollzogen und sieben bestehende Haftbefehle vollstreckt. An dem Einsatz waren über 350 Polizeibeamte aus Unterfranken, Mittelfranken, München und Nordrhein-Westfalen beteiligt, dazu Kräfte der Bundespolizei sowie des BKA Österreich. Zudem nahmen zwei Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg an dem Einsatz teil.

Auch bei diesem Einsatz wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt, die nun im Rahmen der weiteren Ermittlungen überprüft und ausgewertet werden müssen. Besonders erwähnenswert ist laut Mitteilung das Aufdecken einer professionellen Fälscherwerkstatt mit mehreren hochwertigen Druckern zur Herstellung falscher Dokumente und Ausweise. Bei einem Tatverdächtigen wurde eine scharfe Schusswaffe festgestellt. Insgesamt wurde eine mittlere fünfstellige Bargeldsumme beschlagnahmt. Hinzu kommen Kleinmengen abgepackter Betäubungsmittel, die mutmaßlich zum Verkauf bereitlagen.

Die operativen Maßnahmen fanden zudem in enger Absprache und mit Unterstützung von Europol sowie der dortigen Koordinierungsstelle zur Bekämpfung schwerer und internationaler organisierter Kriminalität statt.

Im Zuge des Einsatzes wurden insgesamt sieben Tatverdächtige im Alter von 26 bis 46 Jahren festgenommen. Nach Abschluss der Maßnahmen vor Ort wurden sie teilweise nach Aschaffenburg verlegt und am selben Tag einer Ermittlungsrichterin vorgeführt. Die übrigen Tatverdächtigen wurden am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen und Aschaffenburg einer Ermittlungsrichterin vorgeführt. Dabei wurden die bereits bestehenden Haftbefehle wegen des dringenden Tatverdachts der banden- und gewerbsmäßigen Urkundenfälschung sowie weiterer Delikte eröffnet.

Die Tatverdächtigen mit deutscher, syrischer, irakischer, jordanischer und rumänischer Staatsangehörigkeit befinden sich derzeit in Haft. In einem Fall wurde der Haftbefehl unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft sind mit dem Einsatztag nicht beendet und werden intensiv fortgeführt. Es wird darauf hingewiesen, dass bis zur rechtmäßigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.

Zuständig: Polizeipräsidium Unterfranken, Polizeiinspektion Aschaffenburg und Staatsanwaltschaft Aschaffenburg

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