Bayerische Demenzwoche 2026: Fachstelle für pflegende Angehörige im Landkreis Günzburg informiert und berät
Mit Vorträgen, Infoständen und persönlicher Beratung unterstützt die Fachstelle für pflegende Angehörige am Landratsamt Günzburg im Rahmen der 7. Bayerischen Demenzwoche Menschen mit Demenz und ihre Familien.
Eine Demenzerkrankung verändert nicht nur das Leben der betroffenen Menschen, sondern auch den Alltag ihrer Familien. Fragen zum Umgang mit der Erkrankung, zur Betreuung und Pflege, zu Entlastungsmöglichkeiten oder zur weiteren Versorgung stellen Angehörige häufig vor große Herausforderungen. Antworten darauf bietet die Fachstelle für pflegende Angehörige am Landratsamt Günzburg. Als zentrale Demenzberatungsstelle im Landkreis ist sie eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Im Mittelpunkt der 7. Bayerischen Demenzwoche vom 18. bis 25. September 2026 steht deshalb neben der Sensibilisierung für das Krankheitsbild vor allem die Information über Beratung, Unterstützung und Entlastungsmöglichkeiten.
Die Fachstelle wird von Regina Schütz und Alexandra Führer betreut. Beide sind qualifizierte Demenzberaterinnen und verfügen über langjährige Erfahrung in der Begleitung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Alexandra Führer ist seit elf Jahren in diesem Bereich tätig, Regina Schütz bereits seit 28 Jahren.
„Eine Demenzdiagnose verändert das Leben einer Familie grundlegend. Umso wichtiger ist es, Angehörige frühzeitig aufzufangen, ihnen Orientierung zu geben und gemeinsam nach Lösungen für die neue Lebenssituation zu suchen“, sagt Regina Schütz. Nach ihren Erfahrungen wenden sich viele Angehörige erst dann an die Fachstelle, wenn bereits eine ärztliche Diagnose vorliegt. Gleichzeitig nimmt das Interesse an Prävention und frühzeitiger Information zu. „Wir erleben zunehmend Menschen, die sich schon im Vorfeld informieren und wissen möchten, was sie tun können, um möglichst lange selbstständig und aktiv zu bleiben. Prävention ist für uns deshalb ein immer wichtigeres Thema“, so Regina Schütz. Das Thema Demenz werde zunehmend offener angesprochen und verliere seinen Charakter als Tabuthema.
Ein zentraler Bestandteil der Beratung ist der Umgang mit der Erkrankung im Alltag. Gerade Veränderungen in der Kommunikation und im Verhalten können Angehörige verunsichern und belasten. „Menschen mit Demenz erleben ihre Umwelt zunehmend anders. Deshalb ist es wichtig, den einzelnen Menschen genau wahrzunehmen: Was versteht er noch? Wie können wir ihn erreichen? Und wie können wir seine Fähigkeiten möglichst lange erhalten?“, erklärt Regina Schütz. Dabei gebe es nicht den einen richtigen Umgang mit Demenz. „Es kann sein, dass ein Mensch mich heute nicht erkennt und morgen wieder ganz selbstverständlich weiß, wer ich bin. Diese Schwankungen gehören zur Erkrankung und können für Angehörige sehr schwer einzuordnen sein“, sagt sie.
Auch für Alexandra Führer steht das Verständnis für die Erkrankung am Anfang einer guten Begleitung. „Demenz ist eine Krankheit. Wenn Angehörige verstehen, was hinter bestimmten Veränderungen steckt, fällt es oft leichter, damit umzugehen und den Menschen mit seinen Bedürfnissen anzunehmen.“
Gleichzeitig dürften Angehörige ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlieren. Die Betreuung und Pflege eines Menschen mit Demenz sei häufig über viele Jahre hinweg mit einer hohen Belastung verbunden. „Viele Angehörige leisten jeden Tag Enormes. Sie kümmern sich um einen erkrankten Menschen und stehen gleichzeitig selbst im Berufsleben oder haben Kinder und weitere familiäre Verpflichtungen“, sagt Alexandra Führer. Die Fachstelle informiert deshalb über unterschiedliche Möglichkeiten der Unterstützung und Entlastung. „Wir möchten gemeinsam mit den Angehörigen herausfinden, was in ihrer persönlichen Situation hilfreich ist, und ihnen ein Netzwerk an Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen“, sagt Alexandra Führer. Ziel sei es, die passende Hilfe möglichst frühzeitig zu finden und Angehörige damit nicht erst dann zu erreichen, wenn sie bereits an ihre Belastungsgrenze kommen.
Die Bayerische Demenzwoche steht 2026 unter dem Motto „Brücken bauen, füreinander da sein“. Der Landkreis Günzburg beteiligt sich gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern mit Informationsveranstaltungen und Vorträgen. Für Alexandra Führer beschreibt das Motto einen wichtigen Ansatz im Umgang mit Demenz: „Brücken zu bauen bedeutet, Vorurteile abzubauen, aufeinander zuzugehen und miteinander im Gespräch zu bleiben. Menschen mit Demenz sollen weiterhin Teil unserer Gesellschaft sein und am Leben teilhaben können.“
Angesichts des demografischen Wandels gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. In Deutschland leben derzeit mehr als 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Prognosen zufolge wird sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln. Umso wichtiger seien Wissen, Verständnis und ein offener Umgang mit dem Thema.
Die Arbeit der Fachstelle ist für beide Beraterinnen eine anspruchsvolle, aber zugleich sehr wertvolle Aufgabe. „Wir erleben auch schwere Krankheitsverläufe und Situationen, die uns berühren. Gleichzeitig ist es schön zu sehen, wenn wir Familien durch Beratung und konkrete Unterstützung entlasten können“, sagt Regina Schütz. Besonders die Dankbarkeit der Angehörigen sei eine große Motivation für die tägliche Arbeit. Die Beratung durch die Fachstelle für pflegende Angehörige ist kostenfrei und vertraulich. Auf Wunsch kann die Beratung auch im häuslichen Umfeld stattfinden.
Im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche finden im Landkreis Günzburg verschiedene Informationsveranstaltungen und Vorträge statt. Sie richten sich an Menschen mit Demenz, Angehörige, Fachkräfte und alle Interessierten. Neben Informationen zur Erkrankung stehen auch Möglichkeiten der Unterstützung und Entlastung im Mittelpunkt: Am 18. September 2026 gibt es von 9:00 bis 12:00 Uhr einen Informationsstand auf dem Marktplatz in Krumbach. Am 22. September 2026 folgt von 8:00 bis 12:00 Uhr ein Informationsstand auf dem Marktplatz in Günzburg. Am selben Tag hält Dr. Anneliese Hösch, Fachärztin für Innere Medizin mit Zusatzweiterbildungen in Geriatrie und Palliativmedizin, um 18:30 Uhr im Vortragsaal der AOK Günzburg, Jahnstraße 6, den Vortrag „Schlaf und kognitive Gesundheit“. Für den 23. September 2026 um 15:00 Uhr ist eine weitere Veranstaltung im Rahmen der Demenzwoche geplant, nähere Informationen dazu werden noch bekannt gegeben. Am 24. September 2026 um 18:00 Uhr findet im Saal des Wahl-Lindersches Alten- und Altenpflegeheims, Krankenhausstraße 42 in Günzburg, der Vortrag „Gut vorbereitet bei Demenz – Umgang, Vorsorge und Unterstützung im Überblick“ der Fachstelle für pflegende Angehörige statt.
Die Fachstelle für pflegende Angehörige am Landratsamt Günzburg ist telefonisch bei Regina Schütz unter 08221/95-224 sowie bei Alexandra Führer unter 08221/95-210 erreichbar. Anfragen können außerdem per E-Mail an angehoerigenfachstelle@landkreis-guenzburg.de gerichtet werden.



