Schockanruf in Ramersdorf-Perlach: Seniorin übergibt Bargeld am Klinikum Neuperlach
Wegen eines angeblichen Verkehrsunfalls ihrer Tochter brachte eine über 70-jährige Münchnerin Bargeld zu einer Bushaltestelle – die Polizei sucht nun Zeugen.
Am Dienstag, 27.10.2026, ist eine über 70-jährige Frau mit Wohnsitz in München Opfer eines organisierten Callcenterbetrugs, eines sogenannten Schockanrufs, geworden. Das Kommissariat 61 des Polizeipräsidiums München hat die weiteren Ermittlungen übernommen.
Im Laufe des Nachmittags erhielt die Seniorin auf ihrem Festnetztelefon den Anruf eines unbekannten Täters. Dieser behauptete, ihre Tochter habe einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine schwangere Frau verletzt worden sei. Zudem wurde eine Kaution verlangt, damit die Tochter nicht in Haft genommen werde.
Im Zuge des Gesprächs erkundigte sich der Täter, wie viel Bargeld die über 70-Jährige zu Hause habe. Anschließend forderte er sie auf, den vereinbarten Bargeldbetrag zum Klinikum Neuperlach zu bringen, wo das Geld von einem Abholer entgegengenommen werde.
Nach dem Telefonat begab sich die Seniorin mit dem Bargeld zum Klinikum Neuperlach und wartete dort an einer Bushaltestelle. Kurz darauf kam ein weiterer unbekannter Täter auf sie zu und gab sich als der Abholer zu erkennen. Er nahm das Geld entgegen und forderte die Frau auf, mit niemandem darüber zu sprechen. Anschließend entfernte er sich in unbekannte Richtung. Der Vermögensschaden bewegt sich in einem niedrigen fünfstelligen Bereich.
Erst viele Stunden später kontaktierte die über 70-Jährige ihre Tochter, wodurch der Betrug als solcher erkannt wurde.
Der Abholer wurde wie folgt beschrieben: männlich, ca. 25 Jahre alt, kräftige Gestalt, osteuropäische Erscheinung.
Zeugenaufruf: Wer hat am Dienstag, 27.10.2026, nachmittags, im Bereich des Klinikums Neuperlach, Oskar-Maria-Graf-Ring, Karl-Marx-Ring und Putzbrunner Straße (Ramersdorf-Perlach) Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit diesem Vorfall stehen könnten? Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 81, Tel. 089 2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.
Hinweis der Münchner Polizei: Falsche Polizei- oder Kriminalbeamte und auch andere angebliche Amtspersonen, zum Beispiel Richter oder Staatsanwälte, verwenden häufig den Trick, dass ein Familienmitglied oder Angehöriger einen schweren Unfall verursacht habe und nun zur Abwendung einer Haft oder sonstigen Festhaltung eine entsprechende Kaution fällig sei.
Die Polizei rät, sich durch einen selbstständigen Anruf beim Polizeinotruf 110 zu vergewissern, ob es sich tatsächlich um einen echten Anruf handeln könnte. Dabei sollte sichergestellt sein, dass ein vorheriger Anruf definitiv beendet wurde, indem der Hörer aufgelegt oder eine entsprechende Taste eines Mobiltelefons gedrückt wurde. Dieser Hinweis gilt auch für Betrugsmaschen ähnlicher Art. Wer Anrufe von vermeintlichen Personen anderer Behörden erhält, soll sich über einen unabhängigen Anruf bei dieser Behörde oder beim Polizeinotruf 110 vergewissern, ob der Anrufer tatsächlich in deren Auftrag angerufen hat.
Wichtige Tipps gegen den Betrug durch falsche Polizeibeamte:
- Halten Sie in allen Fällen telefonische Rücksprache zu Ihrer Familie bzw. Ihren Angehörigen.
- Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.
- Die Polizei oder vergleichbare Amtspersonen werden Sie niemals um die Aushändigung von Geld oder sonstigen Wertsachen bitten.
- Lassen Sie keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
- Übergeben Sie grundsätzlich niemals Geld an fremde Personen und stellen Sie auch niemals Wertgegenstände zur Abholung vor die Tür.
Zuständig: Polizeipräsidium München, Kommissariat 61 (Ermittlungen); Hinweise an das Kommissariat 81


