Autonome Shuttles: Konsortium will Genehmigungsverfahren in Hessen und Bayern deutlich beschleunigen
Ein bundesweites Bündnis aus Verkehrsunternehmen, Technologiefirmen und Behörden will die Zulassung fahrerloser Shuttles auf rund drei Monate verkürzen und testet den Prozess exemplarisch an Betriebsgebieten in Hessen und Bayern.
Ein deutschlandweites Partnerkonsortium aus Verkehrsunternehmen, Technologieanbietern und Behörden arbeitet an Grundlagen, um autonome Fahrzeuge ohne Sicherheitspersonal künftig schneller für den öffentlichen Verkehr zulassen zu können. Wie die Beteiligten am 24. September 2026 in Berlin mitteilten, soll eine sogenannte Betriebsbereichsgenehmigung für autonome Fahrzeuge künftig innerhalb von rund drei Monaten erreichbar sein, sobald entsprechende Fahrzeuge auf den Markt kommen.
Die Ergebnisse des Projekts sollen direkt in künftige Genehmigungsverfahren in Hessen und Bayern einfließen. Ziel ist es laut den Projektpartnern, dass Fahrgäste autonome Shuttles möglichst früh im Alltag als verlässliches Angebot im öffentlichen Verkehr erleben und nicht nur als Technologieexperiment. Dafür sollen die Genehmigungsprozesse transparenter, sicherer und zugleich effizienter gestaltet werden, um den Übergang vom Pilotbetrieb in den Regelbetrieb zu beschleunigen.
Der Weg zum fahrerlosen Betrieb führt über zwei Genehmigungsstufen. Die erste ist die Typgenehmigung des Fahrzeugs, die nach Angaben der Projektpartner bislang niemand für ein autonomes Fahrzeug vollständig durchlaufen hat. Das Konsortium bereitet nun die zweite, entscheidende Stufe vor: die Betriebsbereichsgenehmigung durch die zuständigen Landesbehörden. Diese legt fest, auf welchem Straßennetz ein Fahrzeug aufgrund der Fähigkeiten seines Selbstfahrsystems fahrerlos eingesetzt werden darf, etwa in einer Stadt oder einem Landkreis.
Ein wesentlicher Aufwandstreiber bei diesem Verfahren ist bislang der Abgleich zwischen den Fähigkeiten eines autonomen Fahrzeugs, der sogenannten Operational Design Domain, und dem konkreten Betriebsbereich. Genehmigungsbehörden müssen dabei prüfen, ob der definierte Einsatzrahmen – von Straßenbreiten über Kurvenradien bis zur Fahrbahnoberfläche – mit der Realität im vorgesehenen Gebiet übereinstimmt. Da künftige Betriebsbereiche mehrere Tausend Streckenkilometer umfassen können, soll dieser Abgleich im Rahmen des Projekts automatisiert und damit präziser und schneller werden.
Konkret umfasst das Vorhaben vier Arbeitsschritte: Zunächst wird die Beschreibung der Fahrzeugfähigkeiten für eine Typgenehmigung am Beispiel des Fahrzeugs HOLON urban vereinheitlicht. Anschließend werden zwei reale Betriebsbereiche detailliert beschrieben, einer in Hessen und ein weiterer in Bayern. Danach erfolgt ein automatisierter Abgleich des gewünschten Betriebsbereichs mit den Fähigkeiten des Fahrzeugs auf Basis realer Straßeninfrastrukturdaten. Abschließend wird ein vollständiger Genehmigungsdurchlauf exemplarisch durchgespielt und dokumentiert, inklusive Prüfung durch einen Technischen Dienst bis hin zu einem behördlichen Bescheid. Ein rechtsverbindlicher Bescheid ist damit ausdrücklich nicht verbunden.
Das Projekt startet im Oktober 2026 und läuft bis zum Sommer 2027. In diesem Zeitraum sollen neben den technischen Beschreibungen auch Genehmigungsformulare, Abläufe und formale Anforderungen an einzureichende Unterlagen erarbeitet werden. Verkehrsunternehmen sollen dadurch klare Vorgaben erhalten, welche Informationen in welcher Struktur benötigt werden. Nach Einschätzung der Projektpartner ist die Wiederholbarkeit des Verfahrens entscheidend dafür, dass ein einmal beschriebenes Fahrzeug in verschiedenen Regionen nach demselben Ablauf genehmigt werden kann und so die Planbarkeit für eine Serienfertigung und einen flächendeckenden Einsatz entsteht.
Zum Partnerkonsortium gehören neben der DB Regio AG der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), die Landesbaudirektion Bayern, Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement, DEKRA, die Unternehmen HOLON und Mobileye, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), UnternehmerTUM mit MCube Consulting sowie die RÖDL Beratungsgesellschaft.



